Wolfram B Meyer
Tenor Welt

Über mich 

Früh übt sich

Ich wurde in eine Theater Familie geboren, als Kind des Grünen Hügels. Meine Eltern hatten sich als Mitwirkende der Bayreuther Festspiele kennengelernt und auch das weitere Familienleben entspann sich rund um die Bretter, die die Welt bedeuten. Dort kam ich schon früh mit dem internationalen Flair der Künstler aus aller Herren Länder, den verschiedenen Traditionen, dem Sprachengewirr etc. in Kontakt. Damals verbrachte ich viel Zeit in der Werkstatt, dem Fundus und im Zuschauerraum. Dort konnte ich, wenn geprobt wurde, stundenlang in den roten Plüschsesseln sitzen und zuhören. Die dunkle Weite des Zuschauerraums, empfand ich als einen freien Raum für meine Phantasie. Die Bühne konnte eine Burg, das Meer, ein Wald oder ein Sternenhimmel sein. Ich bin meinen Eltern unendlich dankbar für diese Welt, die ich immer in meinem Herzen trage.

Mein Leben war also ein einziges Theater. Auch mein Großvater war Opernsänger gewesen. Seine Schellackplatten Sammlung und sein weicher, lyrischer Tenor waren für mich sehr prägend. Als kleiner Junge saß ich oft auf seinem Schoß im mahagonibraunen Herrenzimmer mit dem grünlichen Klappsofa. Dann holte er die Mandoline von der Wand und sang in seiner unvergleichlichen Voix-Mixte Lieder und Tonfilmschlager wie "Mamatschi schenk mir ein Pferdchen" oder legte eine Platte von Joseph Schmidt, Jan Kipura oder Richard Tauber auf.

Studium und Theater

Wen wundert es also, dass ich nach meiner schulischen Ausbildung die Darstellenden Künste an der UdK-Berlin studierte? Ich war damals noch sehr jung und bekam schon während des Studiums Angebote von verschiedenen Theatern. Die Theaterwelt ist ein in sich geschlossenes Universum, eine große Familie, innerhalb derer alle Bereiche des Lebens abgedeckt werden können. Alle Gewerke vom Elektroniker bis zum Schlosser kommen hier zusammen. Dieses kleine Universum habe ich immer als mein Zuhause empfunden.

Was man am Theater allerdings als erstes lernt, ist Disziplin, denn Anweisungen müssen mit der größten Genauigkeit, zu einem exakten Zeitpunkt, unabhängig von persönlichen Befindlichkeiten ausgeführt werden. Der Theaterberuf erfordert, sich dem großen Ziel, der Aufführung, der Kunst unterzuordnen. Eine Zeitlang konnte ich das sehr gut, und ich hatte auch viel Spaß, meine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Aber diese Arbeitsweise entspricht nicht meiner Persönlichkeit.

Meine Begabung bestand schon immer darin, verschiedene Talente in mir zu vereinen. Das brachte das Problem mit sich, dass ich als Künstler nicht in die notwendigen Fachrichtungen des Theaters einzuordnen war. In Deutschland heißt das dann: "Aha, der kann also NICHTS so richtig!" So bekam ich nicht die Chance zu beweisen, dass ich Vieles richtig gut kann. Außerdem bin ich ein großer Freigeist und ziemlich dickköpfig. Wenn mir etwas wider die Gerechtigkeit geht, kann ich sehr aufbrausend sein. Ich bin jemand, der eigene genaue Vorstellungen von seiner Kunst hat. Das hat dann schon so manches Mal gekracht und es gab auch das ein oder andere böse Wort, das mir heute vielleicht leid tut. In jedem Fall verträgt sich das nicht so gut mit der üblichen hierarchischen Theaterstruktur, die eher wie eine Pyramide gebaut ist, von oben nach unten.

Die Welt

Ich wollte mehr! Ich wollte die Welt sehen! Ich wollte meine kreativen Kräfte ausprobieren. Also kündigte ich meinen festen Vertrag, und verdingte mich fortan als freischaffender Künstler in der Welt.

Auf diese Art bin ich in Europa, Amerika und Afrika viel herumgekommen. Ich habe mit den unterschiedlichsten Menschen Musik gemacht und Theater gespielt. Darauf bin ich sehr stolz. Das hatte aber auch seinen Preis, denn ich musste zwischendurch immer wieder andere Jobs annehmen. So kam ich unter anderem auch zum Gärtnern, Business Theater, Körpersprache Training und zum Schreiben. Durch all diese Gelegenheitsjobs in den verschiedene Ländern habe ich viele Kulturen hautnah erlebt. Diese entscheidenden und wertvollen Erfahrungen unterstützten meinen natürlichen Impuls, anderen Menschen zeigen zu wollen, was ich an der Kunst so faszinierend und wichtig finde.

Kultur erhalten

In allem, was ich tat und heute tue, sehe ich meinen Drang der Welt zu zeigen, dass die Kunst zu den Daseinsgrundfunktionen des Menschen gehört. Ohne Inspiration fühlt sich der Mensch verloren. Die Kunst ist die Quelle dieser Inspiration, Kreativität und Motivation. Ich habe oft Menschen erlebt, die nichts zu Essen und kein Dach über dem Kopf hatten und trotzdem in ihrer Kunst aufgingen und glücklich und beseelt waren. Und ich habe Menschen erlebt, die alles haben und doch nie zufrieden sind. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass immer zuerst das Materielle wichtig für die erfolgreiche Entwicklung der Menschheit sei. "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein", ist für mich ein sehr weiser Satz. Das Wesentliche für mich als Künstler ist nicht, dass Menschen die Kunst verstehen, das reine weitergeben an Information darüber, sondern das Feinstoffliche herauszuarbeiten, wahrnehmbar zu machen, Menschen zu berühren, die so neue Erfahrungen machen können, außerhalb des eigenen Denkens und Umfeldes, egal ob man z.B. gerade reisen kann oder nicht. Theater ist für mich Horizonterweiterung, Musik die Sprache der Seele.